SOAK 2016 - einzigartig und sicher mehr als nur Urlaub

von Peter Agathakis (Kommentare: 2)

Jedes Jahr wenn ich von Zakynthos von der Sommerakademie Griechenland heimkomme, ist es mir ein riesengroßes Bedürfnis hier auf dieser Website etwas Spezielles darüber zu schreiben. Als ich mir gerade Gedanken gemacht hab, was ich heuer so zum Thema mache, wurde auf Facebook eine wundervolle Geschichte gepostet und zwar von Anita, sie war auch Teilnehmerin in meinem Kurs, die genau das Lebensgefühl beschreibt, das auf der SOAK jeder (egal ob Kursleiter oder Urlauber) so erlebt. Zur Einstimmung eine Fotostrecke und danach freue ich mich die Geschichte von Anita Bilek, hier auf meiner Website, zu präsentieren. DANKE Anita für deinen stimmungsvollen Text...

2 Kurse in 2 Wochen - Hier zu arbeiten macht echt Spaß

 

Mein Kurs der ersten Woche...

...und der, der zweiten Woche

 

Der Kurs "Spinnen & Schreiben" bei meinem Kollegen Bernhard Aichner

 

Kursleiter Bernhard Aichner (5. v. l.) und Anita Bilek (7. v. l.) - Anita ist die Autorin folgender Geschichte:  

 

Sommerakademie Zakynthos 2016


„Wieda dahoam, in meiner Melodie. Da bin i geborn, do ghör i hin,…“
Nur was, wenn sich das wohlige "zuhause angekommen Sein" so gar nicht einstellen mag? Wenn da kein Wecker´sches Hochgefühl ist sobald man voll positivem Tatendrang die Haustür aufsperrt?
Normal ist das bei mir so: Lächelnd mir schon im Flieger überlegen, was ich zuhause alles machen werde, mich auf die Menschen daheim freuen und dem nahenden Alltagstrott voll Freude entgegenfiebern. Ankommen und jede Kleinigkeit mit meeresblauem Schleier vor Augen wiedersehen.
Diesmal gibt es kein Ankommen. Ich fühle mich fremd in den eigenen vier Wänden. Ich spüre eine Riesenportion Wehmut, und doch auch Fülle, Zufriedenheit, Stolz…. Kann es nicht einordnen… aber insgesamt unwohl.
Natürlich vermisse ich das gemeinsame Frühstück mit Heike und unseren beiden Töchtern auf der Terrasse mit Meeresblick, die Tomaten, die wirklich nach Tomaten schmecken und den Wein, der purer Lebenssaft ist. Aber da ist noch etwas anderes... Eigentlich glaubte ich, dass mein Leben mich schon mit all den Gefühlen, Geschmäckern und Gerüchen beschenkt hat, die es gibt. Ja klar, mich frisch zu verlieben, das wäre ein Gefühl, dass einen jeden aus der Bahn werfen würde – aber dann doch in all seiner Unberechenbarkeit planbar. Verliebt sein heißt einfach mal kurz in ein anderes Universum eintauchen – aber darauf ist man nach 43 Jahren auch irgendwie vorbereitet (denke ich).
Die Sommerakademie in Zakynthos hat nochmal was ganz anderes mit mir gemacht: Ich bin gewachsen. Und es fühlt sich so an, wie etwas, das ich noch nie gefühlt habe. Vergleichbar vielleicht mit Papayas essen in Zanzibar oder Perahera in Sri Lanka oder zum ersten Mal Philip Glass´ „Mad Rush“ zu hören. Ein bisschen wie ein Buch, das dich in fremde Welten entführt und du merkst, dass all das eh in dir selber auch drin steckt.
Vielleicht liegt es wirklich am Ort oder an den Griechen selbst. Auf jeden Fall hat es viel mit dem Kursprogramm zu tun, das ich gewählt habe. Meine Nachmittage waren erfüllt von zwei großartigen Männern: Peter Agathakis und Bernhard Aichner.
Der eine lockte uns engelsgleich mit tiefer Stimme, die unter die Haut geht auf die Bühne, um technisch richtig (Mikrofonabstand, Bewegung, Blickkontakt …) wir selbst zu sein. Und das auch dann, wenn wir über Themen sprechen die entweder so lächerlich (Gelsendippel) oder so weit hergeholt (über Nacht zum Opernstar zu werden) waren, dass sie rein gar nichts mit uns selbst zu tun hatten. Und es war unglaublich. Alle TeilnehmerInnen schafften das am 5. Tag! Peters Feedback war einfühlsam und wertschätzend und auch sehr klar und hart. Wenn wir nicht verstehen konnten, was er meinte, so konnten wir es durch seine Vorbildwirkung hautnah miterleben – und so entwickelten wir uns um so viel weiter, dass er bei der Finisage am Montagabend wohl jeder oder jedem von uns das Mikro in die Hand hätte drücken können, und wir hätten alle eine tolle Moderation hingelegt (wohl aber nicht ganz so charmant wie du, Dina!).
Der andere brächte sogar einen Stein zum Schreiben. Bernhards Feedback zu unseren Texten war extrem wertschätzend und motivierend. Meine vermeintliche Schreibblockade war wie weggeblasen und sein Seminar ist wohl auch der Grund, warum ich das hier nicht nur in mein Tagebuch schreibe, sondern hier öffentlich auf Facebook. Die Geschichten der KursteilnehmerInnen waren einzigartig und wunderschön. Nix Affektives, gewollt Gekünsteltes – nur Echtes, Authentisches und teils auch sehr Persönliches. Durch unsere Geschichten tatsächlich das unvorstellbare Grauen der Nazizeit (tatsächlich etwas) nachvollziehen zu können, den Horror von Panikattacken, die überschwängliche Freude über ein gemeinsames Kind, das jede Lüge vergessen macht, oder Agnes´ kosmischen Orgasmus miterleben zu dürfen – all das, hat Bernhards wohlwollende Führung möglich gemacht.
Frau Tochter fühlte sich auch pudelwohl. Mit ihren fast 8 Jahren bekommt sie schon sehr schnell mit, wenn sie abgeschoben werden soll, damit Mama ihren Spaß haben kann. Hier in Zakynthos musste ich mich nach ihrem Programm richten, weil sie nie und nimmer auf Zirkus mit Margarita Wagner oder Theater mit Massimo Rizzo verzichtet hätte. Der Besuch der Kurse war ihr wichtiger als das Baden im Meer, und dass es keinen Fernseher gab, das wurde in all der Zeit nichteinmal ein Mal erwähnt!
Trotzdem war all das immer noch nicht all das, was mein Wachsen ausmachte und mir mein Zuhause fremd erscheinen lässt.
Stell dir einen Platz vor in dieser Welt, wo Menschen freundlich, wertschätzend, höflich, respektvoll, liebevoll, neugierig, interessiert, mit positivem Vertrauensvorschuss miteinander umgehen. Immer. Auch wenn sie einander fremd sind. Den gibt es nicht, wirst du sagen. Und vor einer Woche hätte ich dir noch ohne zu zögern beigepflichtet. Aber es gibt ihn doch – ich hab es selbst gesehen!
Hier in Zakynthos geht es keine Sekunde darum, wer die bessere Geschichte schreibt, wer den geilsten Auftritt hinlegt. Niemand schaut voll Neid auf des Nachbars Malerei. Hier wird nicht beurteilt, ob etwas gut genug ist, hier wird nicht gewertet, welches Schmuckstück das schönste ist.
Hier in Zakynthos erfüllt Kurti seinen Lebenstraum und schmiedet seinem Enkel als Zeichen seiner Liebe einen Anhänger aus Silber. Hier gebiert Gitti die Idee zu einem Theaterstück für ihre Schauspieltruppe. Hier tanzt Sabine Salsa, obwohl ihr Fuß schmerzt. Und all das ist gleich viel wert und wird gleich viel geschätzt. Hier kommt man zum Bus und verabschiedet man die Abreisenden mit den Worten „Es wird anders sein ohne euch.“
Wie schön wäre es, wenn es in der Welt mehr Zakynthos gäbe und weniger Welt. Vielleicht würde ich mich dann nicht mehr so fremd fühlen daheim. Vielleicht schaffe ich es ja ein bisschen Zakynthos zum Bleiben zu bewegen …

Anita Bilek, August 2016

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Kommentar vongabi

wunderschön geschrieben und der Schluss. Bravo !!!!!

Kommentar vonIlse

Anita, du sprichst mir aus meiner leicht blau-weiss gefärbten Seele! Ich kann mir einen Sommer ohne SOAK gar nicht mehr vorstellen. Bin beim Griechisch Tanzen hängengeblieben, habe das Zeichnen und Malen meiner Schulzeit wieder entdeckt und verbessert, beim Trommeln versucht, die beiden Gehirnhäften zusammenzufügen, und in viele andere tolle Kurse reingeschnuppert. Mir war dort noch niiiie fad, und wenn ich nur am Balkon gesessen bin und aufs blitzblau-türkise-milchigweisse-laute-leise Meer geblickt habe, hat mich dieses Gefühl der Ruhe überwältigt, das ich dann daheim ganz schrecklich vermisse. Von Zakynthos Abschied zu nehmen ist immer sehr traurig, aber jetzt überwiegt die Vorfreude auf 3 Wochen kreatives Nichtstun im September. Und was Kinder und Jugendliche von dort ohne Fernseher und elektronisches Equipment mitnehmen können,wird sicher ihr folgendes Jahr beeinflussen- da bin ich mir sicher.Danke, liebe schöne SOAK !!